Ich werde in meinen Kursen gerne gefragt, was man als Yogi eigentlich essen darf und was lieber nicht. Und weil gerade Fastenzeit ist und wir uns mehr als sonst mit Ernährung und Verzicht beschäftigen, möchte ich meinen heutigen Blog diesem Thema widmen. Zumindest möchte ich einen kleinen Überblick geben, denn wie du weißt, ist das Thema Ernährung sehr vielfältig und füllt viele, viele Bücher.

Du als leidenschaftlicher Yogi weißt inzwischen, dass Yoga nicht nur aus Körperhaltungen besteht, sondern tatsächlich eine Lebenseinstellung ist. Wie bewege ich mich, wie ist meine innere Haltung? Was gebe ich weiter? Und ein wichtiger Aspekt dabei ist die Ernährung – was führe ich meinem Körper zu?

Grundsätzlich kann man sagen, dass die Yogische Ernährung sich sehr eng an der Ayurvedischen Ernährung orientiert. Yoga und Ayurveda sind Schwester-Philosophien und ergänzen sich daher perfekt auf allen Ebenen. Ich denke, ganz vereinfacht gesagt ist die Ayurvedische Ernährung warm, leicht, lecker und energievoll. Es finden sich viele Kräuter, Gemüse und Hülsenfrüchte im Speiseplan, die leicht verdaulich sind und Energie und Klarheit für deinen Geist bringen.

Weder bei der Ayurvedischen, noch bei der Yogischen Ernährung gibt es Verbote, Kalorienzählen oder dogmatische Vorschriften. Eigentlich ist es ganz einfach – es geht darum, sich nach dem Essen ausgeglichen und voller Energie zu fühlen. Deine Nahrung soll gut verdaulich und verwertbar sein, denn eine gute Verdauung und ein gesunder Darm sind die Voraussetzung für Gesundheit und Wohlbefinden bis ins hohe Alter.

 

Jedes Lebensmittel hat eine ganz bestimmte Wirkung auf unseren Körper und auch auf unseren Geist – sowohl positiv als auch negativ. Wenn wir zu viel Kaffee erwischen, kommen wir nur schwer wieder zur Ruhe. Wenn wir viel Zucker essen werden wir träge und faul. Sicherlich kannst du für dich auch schon ein paar Lebensmittel benennen, von denen du weißt, dass es besser ist, sie zu meiden. Kohl bläht ganz gerne, Knoblauch verursacht Sodbrennen usw.

Im Yoga teilen wir Nahrungsmittel (NM) in drei Grundeigenschaften (Gunas) ein, die ich dir kurz vorstellen möchte:

Tamasige NM sind z.B. Fleisch, Fisch, Zwiebeln, Knoblauch, Essig, Alkohol und Fast Food. Sie entziehen dem Körper Energie und machen schlapp und träge – körperlich, wie mental.

Rajasige NM sind z.B. Kaffee, scharfe Gewürze, Weißmehl oder Zucker. Sie sorgen für Unruhe, machen müde und aggressiv.

Sattvische NM sind z.B. Hülsenfrüchte, Gemüse, Obst und Milchprodukte. Diese sorgen für einen klaren Geist, heilen und beugen Krankheiten vor und unterstützen eine tiefe Meditation.

Das Ziel besteht darin, tamasige oder rajasige Nahrungsmittel möglichst zu reduzieren oder gar zu vermeiden und dafür mehr sattvische Lebensmittel in den Speiseplan aufzunehmen.

 

Dies sind meine ultimativen Ernährungstipps für Yogis:

1. Mindful Eating

Jeder Organismus hat andere, individuelle Bedürfnisse, die es gilt herauszufinden. Dein Körper weiß schon, was und wie viel gut für ihn ist. Das zu erkennen, ist der erste Schritt und gleichzeitig die größte Herausforderung in der Yoga-Ernährung. Probiere doch mal neue Rezepte aus und spüre was dein Körper dazu sagt. Lies dazu auch meinen Blog zum Thema Mindful Eating.

2. Lebensmittel nicht zu stark erhitzen

Durch Temperaturen über 43° Celsius gehen viele Nährstoffe verloren. Anstatt die Lebensmittel zu kochen, kannst du Obst bei geringer Temperatur trocknen und Gemüse dämpfen. Oder aber mit Öl und Gewürzen marinieren oder beizen – Getreide wird eingeweicht, z.B. für ein leckeres Porridge am Morgen.

3. Weniger Fleisch essen

Ja, streng genommen sind Yogis Vegetarier oder sogar Veganer. Fleischkonsum steht im Widerspruch zu dem yogischen Prinzip des „Ahimsa“, welches übersetzt „Gewaltlosigkeit“ bedeutet. Dabei geht es darum, frei von Gewalt zu leben und kein Leid zu verursachen, d.h. alles was ich sage oder tue – mir oder anderen gegenüber – ist frei von Gewalt. Wenn du allerdings nicht ganz auf Fleisch- bzw. Tierprodukte verzichten möchtest, dann übe einen bewussten Umgang damit. Frage dich, woher kommt das Fleisch? Unter welchen Bedingungen wurden die Tiere gehalten? Achte auf gute Qualität und reduziere deinen Fleischkonsum – weniger ist in diesem Fall mehr.

4. Regionale Bio-Produkte

Entscheidend für die Yogische Ernährung ist der Mehrwert für Körper und Geist und den kann man bei industriell verarbeiteten Produkten lange suchen. Mit „natürlich“ und „frisch“ haben diese Lebensmittel nichts zu tun. Wir möchten lebendige und vitale Nahrung zu uns nehmen. Und bedenke … mit dem Verzehr von regionalen Bio-Produkten tust du nicht nur dir etwas Gutes, sondern gleichzeitig auch der Umwelt.

5. Alles ist erlaubt
Verbote sind der absolute Glückskiller und deshalb verzichten Yogis darauf. Wir orientieren uns lieber an Prinzipien, von denen wir wissen, dass sie unserem Körper und unserer Seele gut tun werden. Und von diesen Prinzipien darf man natürlich auch mal Abstand nehmen. Essen ist Balsam für die Seele und deshalb ist jede Mahlzeit ein Geschenk an den Körper. Wenn dir also danach ist, schlemme, genieße und kehre dann ganz natürlich wieder zur Balance zurück.

6. Trinken, trinken, trinken
Ja, diesen Tipp kennst du schon, aber auch in der Yogischen Ernährung ist Wasser das A und O für den Körper. Über den Tag verteilt darfst und sollst du möglichst viel Flüssigkeit zu dir nehmen. Wenn dir pures Wasser inzwischen zu den Ohren raushängt (ich kenne dieses Gefühl sehr gut) dann versuche es doch mal mit verschiedenen Kräutertees oder pimp‘ dein Wasser mit Zitrone, Ingwer oder Minze auf, das sorgt zusätzlich für Nährstoffe.
Was wir sowohl im Ayurveda als auch im Yoga sehr gerne machen ist, das Wasser warm zu trinken. So muss der Körper nicht erst Energie aufwenden, um das Wasser auf Körpertemperatur zu erwärmen, das warme Wasser regt den Stoffwechsel sowie die Verdauung an und Schadstoffe werden durch die erhöhte Temperatur leichter gelöst und abtransportiert…ein Zaubertrank sozusagen.

Ich möchte dir nun noch ein schönes Zitat von Swami Sivananda mitgeben, der als Yogalehrer und Arzt sowohl dem Yoga als auch dem Ayurveda verbunden war:
„Mögt ihr alle vollkommene Gesundheit, ein langes Leben und Frieden finden, indem ihr euch vegetarisch ernährt, was der Meditation und einer gesunden Lebensweise förderlich ist.“

Namasté